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Wellenreiten - Tradition, Sport, Lebensphilosophie

Surfen, Wellenreiten, Surfen. Nun schließe Deine Augen für 5 Sekunden, lass dir diese Wörter durch den Kopf gehen und mach sie wieder auf.

 

Na, ich bin mir sicher, dass auch Bilder von Hawai'i im Gehirn aufflackerten.  Aus guten Gründen. Hawai'i und Surfen gehen Hand in Hand. Es ist eine Tradition, ein Sport und eine ganze Lebensphilosophie. Und das war schon immer so, und dann eine Zeit lang nicht, und dann wieder immer so.

 

Es waren die Polynesier die das Surfen ins Leben riefen und schon vor tausenden Jahren, die Energie der Wellen nutzen, um auf Planken das Meer abzureiten.  Wann sie zum ersten Mal mit einem Brett in eine Welle gepaddelt sind, ist unklar, doch gibt es Hinweise, dass die Polynesier etwa 4000 bis 3000 Jahre v. Chr. die Wellen auf ihren Völkerwanderungen nutzten um über scharfe Riffe zu gleiten.

Mit ihren typischen Reisekanus, Boote mit doppelten Rümpfen und Segeln aus geflochtenen Padangblättern, durchquerten sie den Pazifik, bis sie schließlich auch auf die paradisieschen Inseln Hawai'is stießen.

 

Mit den steilen, grün überwachsenen Vulkanklippen im Hintergrund sprangen die Hawai'ianer von Anfang an von den weissen Stränden ins paradiesisch blaue Meer, um in den Wellen Spass zu haben. Doch der Ozean bedeutete nicht nur Spass,  eine weitgreifenden Mythologie umgibt das Meer in Hawai'i.

Anfangs verwendete man kleine Baumstämme oder Binsenbündel für das Gleiten auf den Wellen. Im Laufe der Zeit entstanden zwei Arten von Surfbrettern. Zum einen ein "olo", ein Brett, das nur die Hawai'ischen Häuptlinge benutzen, und das "alaia", ein Surfboard für alle.

Das Herstellen eines Surfbrettes war und ist immer noch mehr als das schlichte "an einem Stück Holz herumsägen" oder irgendetwas zusammenzukleben.  Von Anfang an wurde der Bau eines Surfboards mit viel Leidenschaft,  Ritualen und der Sehnsucht nach Perfekton begleitet. Bevor es dann die Menschen durch die traumhaften Brandungen Hawai'is trug wurde es schließlich eingeweiht. Die Rituale und die Materialien haben sich vielleicht im Laufe der Jahre geändert, doch die Leidenschaft ein Surfbrett zu "shapen" ist und bleibt eine wahre Kunst. Und jeder Surfer weiss, dass es ein perfektes Surfboard, das nur zu einem Menschen passt,  gibt.

 

Am Anfang des Surfens begrenzte man sich aufs geradeaus fahren, da die 3 bis 5 Meter langen Bretter und bis zu 70 kg Gewicht sich nicht viel manövrieren ließen. Auch wenn es ein Sport ganz Hawai'is war und ein fester Bestandteil der Kultur ist, hatte die königliche Familie das Privileg, die besten Bretter und besten Breaks an den vielen paradiesischen Stränden Hawai'is zu genießen. Es bekam den Namen "Sport der Könige". Surfen war auch ein großer Teil des sogenannten Makahiki Festes zu Ehren des Gottes Lono, der Fruchtbarkeit, Landwirtschaft, Regen, Musik und Frieden symbolisiert. Für drei Monate (ja, da musste auch ich staunen) wurde die Arbeit unterbrochen, um sich zu erholen, Sport zu treiben und um Festmahle zu genießen. Zu dieser Zeit fanden viele Wettkämpfe statt, das Wellenreiten war ein grosser Teil davon. 

Höhlenmalreien vom 12. Jahrhundert beschrieben bereits bildlich das Surfen. Die erste schriftliche Überlieferung vom Wellenreiten kommt von Captain James Cook, der im Jahre 1778 auf die Inselgruppe im Südpazifik stieß. In seinem Reisetagebuch hielt er fest, wie geschickt die Eingeborenen auf Holzbrettern auf den Wellen ritten. Doch die Freude für den Sport im Meer nahm eine traurige Wende, als die ein wenig später einkehrenden Missionare um 1820 das "heidnische" Brauchtum durch strenge Kirchensitten ablösten.

Gerade weil beide Geschlechter damals zusammen surften, wurde es erst als unnötiger Zeitvertreib und unsittlich angesehen, und dann im Jahre 1823 sogar ganz verboten.  Da die kulturelle Einbindung des Surfens nach und nach verloren ging, dauerte es nicht lange bis man Surfer fast gar nicht mehr an den Stränden von Hawai'i sehen konnte. In gewisser Weise kann man Menschen wie Mark Twain oder Jack London danken, die über den Sport der Könige schrieben und damit das Interesse wieder aufleben ließen. Als 1908 der traditionelle Waikiki Outrigger Canoe and Surfboard Club gegründet wurde, lebte der einst populäre Sport wieder auf und ist heute von den Inseln nicht mehr wegzudenken.

 

Nach und nach kamen mehr Urlauber nach Hawai'i, die oft das Meer unterschätzen, so dass die erste Lifeguards an den gefüllten Stränden eingesetzt wurden. Das Surfbrett war ein ideales Rettungsgerät . Lifeguards waren meist Männer mit hawai'ischem Blut, da sie von Natur aus mit den Wellen vertraut waren. Man kann spüren, dass die Verbundenheit zum Meer in den Adern der Hawai'ianer fliesst.

 

Mittlerweile ist das Surfen weltweit ein Sport, der viele anzieht. Dies ist vor allem Duke Kehanamoku zu verdanken, 1890 geboren, und immer noch als Statue im Herzen von Waikiki verewigt.

Hier ist der link zur live cam der Stadt Honolulu auf die Statue. Viele Touristen winken von hier aus Freunden in alle Welt.

 

https://www.honolulu.gov/cameras/waikiki.html

 

 

Duke war einer der besten Surfer Hawai'is zu seiner Zeit und ein exzellenter Schwimmer.  1912 gewann er die Goldmedalien bei den Olympischen Spielen in Stockholm im 100-m-Freistil in Weltrekordzeit. Duke entwickelte sich zum Botschafter des Surfens und bereiste die Welt, um andere von dem Sport zu begeistern. Begünstigt von vielen perfekten Surfstränden sprangen vor allem die Kalifornier und Australier auf die Bretter.  In den 1950er und 1960er Jahren erlebte Surfen einen weltweiten Boom. Es war weiterhin mehr als nur ein Sport, es wurde zu einem Lebensstil. Gerade die Verbundenheit mit der Natur und die Freiheit im Kontrast mit dem Respekt vor der Stärke des Ozeans machen das Surfen zu einer magischen Lebensweise.

Filme wie "Gidget" in den 1960ern oder "Endless Summer" von Bruce Brown stellten den Lifestyle des Surfens beeindruckend da und waren auch Grund, dass sich die Zahl der Wellenreiter in den USA gar verzehnfachte.

 

Einer der wichtigsten Rocketeers im Surfen war Tom Blake. Er experimentierte viel mit Surfbrettern herum, machte sie viel  leichter und fügte später Finnen hinzu. Damit läutete er die moderne Surfzeit ein.

 

Es ist zu einem Breitensport herangewachsen, doch sind auch die Möglichkeiten gewachsen. Die Bretter sind kürzer und leichter und lassen sich vielseitiger manövrieren. Es gibt mittlerweile auch viele Profisurfer und eine riesige Industriezweig, der sich auf das Surfen und den Lebensstil konzentriert. Viele andere Breitensportarten wurden durch das Surfen inspiriert. 

Heutzutage gibt es viele Surfschulen und Surfcamps. Die erste deutsche Surfschule wurde 1974 in Hendaye von Ulrich Richter gegründet.

 

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass das Wellenreiten nach wie vor von einer Magie umhüllt ist, die man nicht erklären aber leben kann. Surfen ist eine wahre Hawai'ische Mythologie und wir können dankbar sein, dass sie mit der Welt geteilt wurde. Gerade in Hawai'i spielen viele Dinge eine untergeordnete Rolle. Sei es Politk oder große Sportereignissen , die erste Frage ist oft: "How's the surf?", "Wie sind die Wellen?".

 

Surf's up

Jens

Aloha Botschafter.

 

 

Rocketeers. Original Hawaiihemden!

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